Patienten-Informationen zu Krampfadern

Was ist CHIVA ?

Die CHIVA-Methode

Die Behandlung umfasst eine spezielle Ultraschalluntersuchung, einen chirurgischen Eingriff und als Nachbehandlung das Tragen eines Kompressionsstrumpfes für eine kurze Zeit sowie eine Nachuntersuchung nach 6 – 8 Wochen, bei der gelegentlich ein Ergänzungseingriff oder eine Verödung von Seitenästen nötig ist.



Die CHIVA-Methode im Überblick:
 
Das Prinzip der CHIVA-Methode


Das Prinzip der Operation im Rahmen der CHIVA-Behandlung beruht darauf, dass die Krampfadern sich zurückbilden, wenn der falsche Blutfluss ausgeschaltet wird. Die überschüssige Menge an Blut, die die Krampfadern füllt und die ehemals dünnen Venen erst zu Krampfadern gemacht hat, kann nach der Behandlung nicht mehr diese falschen Wege nehmen. Dieses Ziel erreicht man, indem die Krampfadern nach feststehenden Grundsätzen an bestimmten Stellen durchtrennt werden. Danach kann das Blut nicht mehr rückwärts in die Krampfadern eintreten, kann also nicht mehr den falschen Weg nehmen, die Venen nicht mehr überfüllen. Das Blut aus den vielen gesunden Seitenästen kann dagegen in den vorhandenen Venen abfließen.

Die Venen werden wieder so dünn, wie sie früher einmal waren, als das zusätzliche Blut sie noch nicht gedehnt hatte. Das Blut muss sich nach dem Eingriff keine neuen Wege suchen, der krankhafte Rückfluss ist jedoch ausgeschaltet.

Um zu zeigen, wie CHIVA im einzelnen durchgeführt wird, veranschaulichen wir das Prinzip an 2 Beispielen:


Abbildung 4 zeigt das Vorgehen bei einer einfachen Situation, wie sie in Abbildung 2 dargestellt ist. Die Mündung der Stammvene (Vena saphena magna) in die tiefe Vene wird zugebunden, damit hier kein Blut mehr rückwärts eintreten kann. Dabei dürfen die gesunden Seitenäste nicht mit unterbunden werden. Die Unterbindungsstelle ist mit einem „grünen Strich“ gekennzeichnet. Das Blut aus den gesunden Seitenästen kann weiterhin in die oberflächliche Sammelvene ablaufen und über die nächsten Verbindungsvenen in die tiefen Beinvenen gelangen. Dort wird es aufwärts befördert. In der Leistengegend kann das Blut nicht mehr in die oberflächliche Vene eintreten und fließt ausschließlich zum Herzen weiter, wie bei jedem Venengesunden, es muss sich keinen neuen Weg suchen, sondern wird gezwungen, den„richtigen“ Weg zu nehmen.

Es wurde somit also erreicht, dass das Blut nur einmal durch jede Vene fließen kann, es entsteht eine Einbahnstraße. Das Blut fließt nicht mehr rückwärts in die oberflächliche Vene, sie bildet sich im Lauf von ein paar Wochen wieder auf ihren ursprünglichen Durchmesser zurück.



In komplexeren Situationen sind mehrere Unterbindungen notwendig,
um die zum Teil ineinander greifenden Kreisläufe zu unterbrechen.

In Abbildung 5 wird gezeigt, wie das Vorgehen bei der in Abbildung 3 dargestellten Situation ist.


 

 

 

 

 



In Abbildung 6 verdeutlichen wir den Unterschied zwischen CHIVA und Stripping, der die Situation nach dem „Stripping“ zeigt.

Bei dieser Operation werden die erkrankten Venen entfernt.

Danach müssen sich die gesunden Seitenäste, die in Abbildung 5 blau dargestellt waren, neue Abflusswege suchen, da ihr natürlicher Abfluss nicht mehr möglich ist.

Hierbei entstehen oft neue Krampfadern.

 

 

 

 



Im Detail wird eine Unterbindung wie folgt ausgeführt:

In Abbildung 7 sind die Venen in der Leistengegend dargestellt: das Gefäß links im Bild entspricht der tiefen Beinvene. In sie mündet die Vena saphena magna, die vordere oberflächliche Sammelvene. Die Klappe ist hier in der Leiste defekt und deswegen kann das Blut aus der tiefen Vene in die oberflächliche Vene zurücklaufen.

Unmittelbar im Bereich der Leiste münden mehrere Venen in das oberflächliche Gefäß. Sie bilden den so genannten Venenstern. Bei der Krampfaderentfernung werden diese Venen mit unterbunden. Diesen Venen kommt bei CHIVA eine wichtige Aufgabe zu. Daher müssen sie möglichst erhalten werden.

 



Abbildung 8 zeigt, wie die oberflächliche Vene an ihrer Mündung mit einem Faden umfahren und ein Knoten zugezogen wird (1). Anschließend wird die Vene erneut umfahren, um einen zweiten Knoten zu setzen, der etwas von dem ersten entfernt, aber trotzdem zwischen der tiefen Vene und dem Abgang der Seitenäste liegt (2).

Das Blut aus den Seitenästen läuft nun in die oberflächliche Vene und vermeidet, dass sich in ihr Blutgerinnsel bilden können, weil durch die Vene - auch in ihrem oberen Anteil - weiterhin Blut fließt.

 


Die Ultraschalluntersuchung

Vor dem Eingriff wird eine ausführliche Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Dabei wird festgestellt, ob die tiefen Venen durchgängig sind, und entschieden, an welchen Stellen die Krampfadern unterbunden werden müssen. Diese Stellen werden mit einem Farbstift auf der Haut angezeichnet. Es ist üblich, die Ultraschalluntersuchung direkt vor dem Eingriff zu machen, damit die angezeichneten Markierungen bei der Operation noch erkennbar sind. Manchmal wird bei der Untersuchung festgelegt, dass es günstiger ist, in 2 Sitzungen vorzugehen, um insgesamt weniger Schritte zu benötigen. Diese Situation wird mit dem Patienten besprochen.



Die Narkose

Die Operation der CHIVA-Behandlung kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Ausnahmen hierzu sind: Übergewicht, vorangegangener Eingriff an der selben Stelle, Operation der Kniebeuge und Wunsch des Patienten. Das örtliche Betäubungsmittel wird an den Stellen unter die Haut gespritzt, wo bei der Voruntersuchung die Anzeichnungen gemacht wurden.

Die Operation


Nach Beendigung der Ultraschalluntersuchung steht fest, wo Unterbindungen gemacht werden müssen. Die Schnitte an Seitenästen entlang des Beines sind meist so klein, dass man eher von Stichen reden kann. Sie werden mit dem Skalpell gesetzt, die Krampfadern daraus hervorgezogen, unterbunden, durchtrennt und wieder versenkt. Es ist keine Hautnaht erforderlich, die Wundränder werden mit einem Klammerpflaster gehalten.

Manchmal können die Krampfadern nicht durch einen Stich hervorgezogen werden, dann bedarf es eines kleinen Schnittes, der genäht werden muss. Der Zugang in der Leiste und in der Kniekehle erfolgt über etwas größere Schnitte, wenn dort Unterbindungen angezeigt sind. Diese Schnitte werden genäht. Bei sehr ausgeprägten Seitenästen, in denen bereits Venenentzündungen abgelaufen sind, kann man auch eine Entfernung des Seitenastes erwägen oder diese nach dem Eingriff veröden, sollten sie nicht komplett verschwinden. Die oberflächlichen Sammelvenen bleiben davon unberührt.

Nachbehandlung

Noch auf dem Behandlungstisch wird ein Kompressionsstrumpf angelegt. Der Patient steht dann auf und soll gleich laufen. So wird einer Venenentzündung am besten vorgebeugt. Selten benötigt der Patient nach dieser Operation ein Schmerzmittel. Dadurch, dass die Wunden sehr klein sind, können die Patienten in der Regel am nächsten Tag wieder ihren normalen Beschäftigungen nachgehen. Lediglich Leistungssport, längeres Verharren in Hockstellung und schweres Heben sollte in den ersten Woche vermieden werden.

Je nach Ausprägung der Krampfader und Art des Eingriffes empfehlen wir zur Vorbeugung von Venenentzündungen nach dem Eingriff Heparin zur Blutverdünnung („Bauchspritzen“). Der Kompressionsstrumpf wird 6 Wochen getragen. Nach 8 Wochen erfolgt eine Nachuntersuchung, bei der festgestellt wird, ob die Behandlung abgeschlossen ist oder ein Ergänzungseingriff, bzw. eine Verödung notwendig ist.



Ergebnisse      

Wenn die Krampfadern Beschwerden verursachen, kann man das Ergebnis der Behandlung am selben Tag spüren, da Stauungsbeschwerden sofort nachlassen. Das kosmetische Ergebnis stellt sich verzögert ein.

Die Venen brauchen 2 – 6 Wochen, bis sie sich zurückgebildet haben. Besenreiser und braunen Stellen können auch ganz verschwinden, das benötigt jedoch oft bis zu 6 Monate Zeit.

Sollten die Krampfadern durch eine tiefe Beinvenenthrombose verursacht sein, oder sollten zu einem früheren Zeitpunkt bereits Venen entfernt worden sein, kann man durch CHIVA auf jeden Fall den Zustand deutlich verbessern. Sollte nach der Behandlung noch eine Vene sichtbar sein, kann man diese ohne Aufwand mit einer kleinen örtlichen Betäubung oder Verödung nachbehandeln.


Gefahren, Komplikationen und Nachteile


Die CHIVA-Methode birgt keine zusätzlichen Gefahren und ist insgesamt sehr viel harmloser als das Ziehen der Venen. Das haben Studien erwiesen. Da nach dem Eingriff keine Bettruhe erforderlich ist, kann man bei vielen Patienten auf Bauchspritzen zum Vorbeugen von tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolie verzichten. Die CHIVA-Methode stellt hohe Ansprüche an den behandelnden Arzt.

Das Erlernen der Schalluntersuchung und vor allem der Kriterien, nach denen die Unterbindungen eingezeichnet werden, erfordert oft eine lange Zeit. Ständig werden die Ergebnisse der CHIVA-Methode in Europa verglichen und die Methode weiter verfeinert. Daher ist es wichtig, wenn der Arzt sich aus- und ständig weiterbildet. Auf der Web-Seite www.chiva.info, sowie auf Anfrage bei der Deutschen Gesellschaft für CHIVA finden Sie die ständig aktualisierte Liste der von der Deutschen Gesellschaft für CHIVA geprüften Ärzte.



Studien zur Operationsmethode

Seit 2006 liegt die erste 10-Jahres-Nachuntersuchung aus der Universität Ferrara, Italien, vor. Diese belegt, dass das Verfahren im ersten Ergebnis mit dem Stripping, dem Entfernen der Venen, gleichwertig ist, wobei weniger Schmerzmedikamente und kürzere Arbeitsunfähigkeitszeiten bei den CHIVA-Patienten anfielen. Interessant wird es bei der Nachuntersuchung nach 10 Jahren: 38% der Patienten nach Stripping und nur 19% der Patienten nach CHIVA hatten neue Krampfadern. Der nötige Ergänzungseingriff war bei Stripping ungleich aufwändiger als bei den mit CHIVA voroperierten Patienten. Insgesamt wurde also bewiesen, dass bei gleichen Ergebnissen CHIVA weniger Nebenwirkungen und weniger Folgeeingriffe verursacht als das Entfernen oder Verschließen der Venen.





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ISBN 3 - 9808990 - 0 - 4